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Laienspielgruppe probt wieder

In dem Theaterstück „Lass die Sau raus“ spielt Jochen Heddäus den Familienvater Norbert Heppner, der von seiner Frau und deren Freundinnen zum Fleischverzicht genötigt wird.

LEEHEIM. Beim Probenbesuch in der Heinrich-Bonn-Halle geht es vergnüglich zu: Die Laienspielgruppe Leeheim (www.lsg-leeheim.de) probt ein neues Stück. Neun Darsteller, die meist seit Jahrzehnten mitwirken, haben sichtlich Spaß am Spiel, feilen an den Szenen und ermuntern einander durch konstruktive Kritik. „Lass die Sau raus“, heißt die turbulente Komödie, die Ende April (24./25., jeweils ab 19.30 Uhr) aufgeführt wird.

Die Hauptrolle übernimmt Jochen Heddäus, der Vereinsvorsitzende, der seit mehr als 40 Jahren zum Ensemble gehört und für den erkrankten Jörg Veith in die Bresche gesprungen ist. Er spielt den Familienvater Norbert Heppner, der von seiner Frau (Saphira Thurn) und deren Freundinnen Lotte und Selma (Michaela Stroh-Ihrig, Ellen Wiesenäcker) zum Fleischverzicht genötigt wird. Die Damen haben sich vegetarische Ernährung auf die Fahne geschrieben („Jetzt sind wir tierisch vegetarisch“), und zum Verdruss des Metzgers (Patrick Fiederer) wird die Wurst-und Fleischtheke boykottiert.

So schlittern Heppner alias Heddäus und seine Gattin in eine handfeste Ehekrise. Der Dominanz der Damenriege überdrüssig, schafft sich Heppner eine Sau an, die er bald liebevoll umsorgt – so liebevoll, dass er ihr den Namen Anita gibt und ins Grübeln kommt, ob er das Tier je schlachten will. Zwischen den Fronten steht Aaron Thurn in der Rolle des Sohnes: Er spielt erstmals im Erwachsenentheater, hat im Kinder-und Jugendtheater des Vereins Erfahrung gesammelt. Viele „Publikumslieblinge“ sind in weiteren Rollen des Stücks zu sehen – so etwa auch Andrea Radloff als Oma Erna.

Steilvorlage für Missverständnisse und Turbulenzen

Textautor Andreas Wening hat den Schauspielern mit einer Sau namens Anita eine Steilvorlage für Missverständnisse und eifersüchtige Turbulenzen geliefert. Nicht zuletzt durch die neugierigen, geschwätzigen Freundinnen der Ehefrau entsteht eine Komik, die das Ensemble genüsslich ausspielt. Der Probenbesuch macht erneut deutlich, wie die Laiendarsteller Jahr für Jahr mit heiteren Mundartinszenierungen, die stets auch Ortsbezüge aufweisen, ihr Publikum begeistern. Von Kulisse über Kostüme bis zur Darstellung ist alles selbst entwickelt.

1979 aus einer Elterninitiative hervorgegangen, haben viele Mitglieder über Jahrzehnte so viel Spaß am Theaterspiel, dass sie – neben beruflichen und familiären Verpflichtungen – jedes Frühjahr eine neue Inszenierung auf die Bühne in der Heinrich-Bonn-Halle bringen. Letztes noch aktives Gründungsmitglied ist Hannelore Lessenich. Sie steht zwar nicht mehr auf der Bühne, ist aber in der Regieassistenz noch immer dabei. „Ich freue mich, dass meine Mama weiter dazugehört. Ohne sie können wir es uns nicht vorstellen“, sagt ihre Tochter, die Regisseurin Ulrike Urban. Und Lessenichs Enkelin Jessica ist als Souffleuse dabei.

„Wir sind eine generationenübergreifende Theatergruppe und wollen den Spaß, den wir am Spiel haben, auch diesmal ans Publikum weitergeben. Alltagssorgen zu vergessen und sich am lustigen Stück zu freuen – darum geht es“, sagt Ulrike Urban. Ab 2010 hatte Christian Suhr, der künstlerische Leiter der Büchnerbühne Leeheim, die Proben mit Ratschlägen begleitet – diesmal müssen Regisseurin Urban und das Ensemble ohne seine Expertise auskommen: Keine Frage – sie schaffen das.
Charlotte Martin

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